Replik auf den Artikel «Böden stärken und das Klima schützen»

Am vergangenen Donnerstag stellte Ebenrain-Leiter Lukas Kilcher in der «Volksstimme» das neue Projekt «Klimaschutz durch Humusaufbau» vor. Landwirt und Landrat Markus Graf stellt in seiner Replik auf diesen Artikel die Wirksamkeit des Programms infrage.

«Eine Nation, die ihren Boden zerstört, zerstört sich selbst.» Dieses Zitat von Friedrich Fallou, der vor mehr als 150 Jahren lebte, zeigt, wie sehr der Boden einem Land und dem Bauernstand am Herzen liegen muss. Ich mag mich selbst gut an meine beiden Winterschuljahre im Ebenrain und an unseren Lehrer im Fach Bodenkunde, Dieter Rudin, erinnern. «Gebt acht zum Boden, er ist eure Lebensgrundlage», trichterte er uns Junglandwirten in mancher Schulstunde ein. Bodenverdichtungen und Erosionen sind der grösste Feind eines jeden Landwirts und ich glaube, alle, die je eine landwirtschaftliche Ausbildung durchlaufen haben, sind sich dessen bewusst.

Dass uns Ebenrain-Leiter Lukas Kilcher zu Beginn seines Artikels mit Schreckensszenarien sein Projekt als die Lösung zur Klimaproblematik schmackhaft machen will, passt zur heutigen Zeit. So bringen nur noch Weltuntergangs-Prophezeiungen Aufmerksamkeit und anscheinend auch Unterstützung für ein Projekt, das gut und gerne unter dem Motto «Alter Wein in neuen Schläuchen» der werten Leserschaft und der Kantonalbank verkauft wurde.

Zur Gewissensberuhigung
Der Grundgedanke ist eigentlich vorbildlich und es verdient Respekt, dass die Basellandschaftliche Kantonalbank – in Form von gekauften Zertifikaten – in der Region eine Art Klimakompensation anstösst. Es ist auch richtig, ausländische Projekte zur Reduzierung von CO2-Emissionen und deren Effizienz infrage zu stellen, doch auch das vorliegende Projekt muss bezüglich seiner Wirksamkeit sehr stark hinterfragt werden. Bringen die eingesetzten Gelder wirklich dem Klima und dem Boden etwas? Oder fliessen sie vorwiegend an das Bundesamt für Landwirtschaft, an Forschungsanstalten und an die Kantonale Verwaltung oder dienen hauptsächlich zur Gewissensberuhigung und zur medialen Aufmerksamkeit der Basellandschaftlichen Kantonalbank?

Sollte der Humusaufbau mit dieser Massnahme wirklich das Ei des Kolumbus sein, dann frage ich mich, warum wir trotzdem ohne Rücksicht derart viel wertvollen Boden zubetonieren. Die Erforschung des Bodens ist eine komplexe Angelegenheit, da Böden in ihrer Zusammensetzung und in ihrem Vorkommen sehr unterschiedlich sind. So zählen laut Bafu-Bericht «Boden in der Schweiz 2017» die Böden im Mittelland zu den fruchtbarsten und ertragreichsten Böden weltweit. Ebenfalls in diesem Bericht sind die tonreichen Böden im Baselbiet erwähnt. So seien gerade diese viel weniger erosionsgefährdet. Boden oder Humus bedeutet Leben, deshalb ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit eine Aufgabe, die über Generationen getätigt werden muss.

Gespür und Bodenständigkeit
Deshalb ist der Nutzen eines auf ein paar Jahre begrenzten Projekts mehr als fragwürdig. Gerade mit der Einführung des ökologischen Leistungsnachweises in der Landwirtschaft im Jahr 1992 wurde viel in den Schutz des Bodens investiert, was sich bereits positiv ausgewirkt hat. Geregelte Fruchtfolgen, ganzjährige Bodenbedeckung, Biodiversitätsflächen, aber auch Verbote für zahlreiche Pflanzenschutzmittel sind hier nur einige Beispiele. Zudem erhalten Landwirte seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich und kostenlos die Fruchtbarkeit ihrer Böden durch den Eintrag von Gülle, Mist und Ernterückständen. Boden muss man ernähren, man muss ihn spüren und prüfen, ob er für die Bodenbearbeitung bereit ist, damit die Saat gelingt.

Genau dieses Gespür und diese Bodenständigkeit fehlt beim Projekt, das von Fachleuten am Schreibtisch aufgegleist wurde, ohne die Unterstützung des Bauernverbands, also ohne die Basis, die über das praktische Wissen verfügt. Wenn die Basellandschaftliche Kantonalbank wirklich etwas für das Klima und die Natur in unserem Kanton tun will, dann gibt es sicher bessere und wertvollere Projekte als das vorliegende. Wir Bäuerinnen und Bauern im Baselbiet beteiligen uns gerne an sinnvollen Projekten, die der Natur, dem Klima, der Bevölkerung, aber auch dem Bauernstand etwas bringen. Unser Hauptanliegen aber ist Respekt. Respekt für unsere Arbeit mit einem fairen Preis für unsere Lebensmittel.

Dass jetzt die «Sündenböcke der Nation» als Werbeträger für eine Bank herhalten dürfen, ist der Gipfel am ganzen Klimaprojekt.